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Bericht vom Kongress „Christliche Praxis in religionspluraler Gesellschaft“

Bericht vom Kongress „Christliche Praxis in religionspluraler Gesellschaft“

Religion im Plural ist keine neue Situation – weder für die Gesellschaft noch für die Theologie. Neuer ist die Weise der Wahrnehmung ihrer Präsenz in der Gesellschaft. Die veränderte Wahrnehmung von Religion wirkt auf ihre gesellschaftliche Situation zurück. Dieser Prozess findet in einem durch Misstrauen geprägten Klima statt, in dem Religionen und ihre zunehmende Sichtbarkeit als Gefährdung und Bedrohung wahrgenommen werden. Religionspluralität wird daher mit zunehmenden gesellschaftlichen Konflikten verknüpft. Religionen gelten als potenziell gefährlich und als Quelle gesellschaftlicher Konflikte.

Auf diese Situation wies Udo Schmälzle (Münster) bei der Eröffnung des Kongresses der Konferenz deutschsprachiger Pastoraltheologen und Pastoraltheologinnen e.V. hin, der vom 7.-10. September in Leitershofen bei Augsburg stattfand. Hadwig Müller (Missionswissenschaftliches Institut, Aachen) und Norbert Mette (Universität Dortmund) machten zu Kongressbeginn aus religionssoziologischer und religionspädagogischer Sicht Vorschläge zum Begreifen und Verstehen der religiösen Gegenwartssituation. Deutlich wurde, dass die christliche Theologie und die christliche Praxis in veränderter Weise herausgefordert sind. Ursula Boos-Nünning (Universität Duisburg-Essen) steuerte zu diesen ersten Wahrnehmungen der religionspluralen Situation Perspektiven aus ihrem Forschungsbereich, der interkulturellen Pädagogik und Migrationsforschung bei. Erol Pürlü (Verein Islamischer Kulturzentren, Köln) ergänzte ihre Beobachtungen aus der Perspektive eines muslimischen Religionsvertreters in Deutschland.

Bei aller Unterschiedlichkeit der Blickrichtungen und Perspektiven gab es eine zentrale gemeinsame Beobachtung der Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer: Konflikte mit Religion entstehen nicht primär zwischen den Religionen selbst. Vielmehr entzünden sie sich vor allem zwischen religiösen Menschen und solchen, die sich selbst nicht als religiös beschreiben würden. Umgekehrt heißt dies, dass nur unsichtbare und privatisierte Religion von einer Mehrheit der Gesellschaft als friedlich angesehen (oder übersehen) wird. Damit können sich Religionen aus ihrem Selbstverständnis heraus nicht zufrieden geben. Umso mehr besteht die Herausforderung, Sichtbarkeit und Öffentlichkeit von Religion gegenüber einer tendenziell religionsskeptischen Bevölkerung zu vertreten und dabei die Fähigkeit zur Beherrschung ihres Konfliktpotenzials praktisch unter Beweis zu stellen.

Aus systematisch-theologischer Perspektive zeigten Michael Bongardt (Freie Universtität Berlin) und Knut Wenzel (Universität Frankfurt) Leitlinien und theologische Vergewisserungen auf, die zu einer vom theologischen Selbstverständnis her angemessenen christlichen Praxis in einer religionspluralen Situation führen können. Reinhard Feiter (Universität Münster) griff diesen Faden aus praktisch-theologischer Perspektive auf und skizzierte Modelle christlicher Praxis als verschiedene Formen „antwortenden Handelns“. Deren kriteriologische Mitte rekonstruierte er aus der Struktur der Christusbegegnung bzw. des Glaubens überhaupt.

Schließlich zeigten Beispiele religionsplural sensibler christlicher Praxis eindrücklich die Fähigkeit zu einer friedensfähigen Zusammenarbeit verschieden-religiöser und nicht-religiöser Menschen. Dabei bildete sich die Erfahrung ab, dass sich die „gelebten Religionen“ in einem hohen Maße toleranz- und pluralitätsfähig erweisen – nach innen wie nach außen. Um so mehr wird es zur großen Herausforderung für die praktische Theologie, Hilfen für die Vermittlung zwischen Religionen untereinander und vor allem zwischen Religionen und nicht-religiösen Menschen und Gruppen bereit zu stellen. Arnd Bünker (Schweizerisches Pastoralsoziologisches Institut, St. Gallen) analysierte die Beiträge des Kongresses und den Verlauf der Diskussionen noch einmal unter der Frage nach der Konfliktivität der religionspluralen gesellschaftlichen Situation und benannte Konsequenzen für die Pastoraltheologie.

In seinem Schlussvortrag stellte Rev. Dr. Elias D. Mallon (Franciscans International, New York) aus der Perspektive eines bei der UNO engagierten christlichen Religionsvertreters das Feld der Religionspluralität in einen globalen politischen Zusammenhang. Dieser Beitrag verlangt von der praktischen Theologie nicht zuletzt auch eine Auseinandersetzung mit der weltweit wirksamen religionspluralen Situation und vor allem mit der Frage nach der in diesem noch kaum praktisch-theologisch erkundeten Bereich anstehenden christlichen Praxis. Die Situation der Religionspluralität lässt sich nicht mehr allein im überschaubaren Horizont der Gemeinde oder der Kategorialseelsorge, auch nicht im begrenzten Horizont gesellschaftlich orientierter christlicher Verantwortung, angemessen bearbeiten. Vielmehr muss praktische Theologie zugleich die globale Dimension bzw. die globalen Interdependenzen heutiger Religionspluralität im Blick haben. [A. Bünker, St. Gallen]

Michael Felder ist Nachfolger von Monika Scheidler am Lehrstuhl für Pastoraltheologie, Religionspädagogik und Homiletik an der Universität Fribourg

Michael Felder ist Nachfolger von Monika Scheidler am Lehrstuhl für Pastoraltheologie, Religionspädagogik und Homiletik an der Universität Fribourg

Der aus Süddeutschland stammende Dr. Michael Felder studierte Theologie an der Universität Tübingen, an der University of Malta und am Priesterseminar Rottenburg. 1993 zum Priester geweiht, schloss er 1995 bis 1997 seine Studien an der Päpstlichen Universität der Salesianer in Rom mit dem Lizentiat in Theologie mit Spezialisierung in Jugendpastoral und Katechese ab. 1999 erwarb er an derselben Universität die Doktorwürde. Anschließend war er als Pfarrer in der praktischen Seelsorge zunächst im deutschen Spaichingen und seit 2004 an der Hochschulgemeinde Tübingen tätig. Gleichzeitig zu seinem Pfarramt betrieb er in Tübingen pastoraltheologische Forschung im Rahmen eines Habilitationsprojekts. Er forscht zur Spiritualität im alltäglichen Lebensvollzug der Moderne und zu Berufsbild und Kompetenzen von Religionslehrern und Katecheten. Michael Felder übernimmt die deutschsprachige assoziierte Professur in Pastoraltheologie, Religionspädagogik und Homiletik an der Seite seines französischsprachigen Kollegen Prof. François-Xavier Amherdt. [M. Klöckener, S. Hodek, Fribourg]

Predigt und religiöse Pluralität

Predigt und religiöse Pluralität

Die Göttinger Predigten im Internet (http://www.predigten.uni-goettingen.de/ und http://www.theologie-online.uni-goettingen.de/) sind ein kostenloser Internetdienst, der ausgearbeitete Predigten für jeden Sonntag im evangelischen Kirchenjahr und alle weiteren kirchlichen Festtage und -anlässe sowie für besondere Gelegenheiten zur Verfügung stellt. Das Angebot besteht seit Ende 1997. Theologie-Online stellt Beiträge zu aus allen theologischen Disziplinen zur Verfügung.

Die Göttinger Online-Predigten werden aus über 120 Ländern der Erde abgerufen. Sie bieten Predigten in fünf Sprachen. Die Zahl der einzelnen Zugriffe auf die Seiten beläuft sich auf ca, 500.000 pro Monat. Die Autoren und Autorinnen sind native speaker. Die Predigten werden in der Regel als Anstoß und Informationsquelle für die jeweilige eigene Predigtarbeit genommen über Landes- und Sprachgrenzen hinweg.

Die Aufforderung zur Mitarbeit erfolgt durch ein Herausgebergremium, das von vier Theologen (Ulrich Nembach, Johannes Neukirch, Christoph Dinkel, Isolde Karle) gebildet wird. Die Autoren sind Gemeindepfarrer, Mitarbeiter verschiedener kirchlicher Einrichtungen (darunter Bischöfin Margot Käßmann sowie Hochschullehrer der Theologie (darunter Oswald Bayer, Eberhard Busch, Wilfried Härle, Wolfgang Huber, Joachim Ringleben und Reinhard Schmidt-Rost).

Der Wunsch nach mehr religiöser Pluralität zeigt sich auch in den Rückmeldungen zu den Göttinger Predigten im Internet. Die Autoren sind evangelische wie katholische Pfarrer und Hochschullehrer. Inzwischen kam die Anregung von katholischer Seite, doch ebenfalls Predigten katholischer Kollegen zu Texten gemäß des katholischen Jahreskreises einzustellen und nicht nur zu Texten gemäß der evangelischen Perikopenordnung zu erbitten.

Diesen Wunsch aufzugreifen, wird zur Zeit diskutiert. Was meinen Sie dazu? Wären Sie bereit, mitzuarbeiten? Ich freue mich auf Ihre Reaktionen und danke schon jetzt herzlich: ulrich.nembach@theologie.uni-goettingen.de [U. Nembach, Göttingen]

DFG bewilligt wissenschaftliches Netzwerk für Nachwuchswissenschaftler/innen

DFG bewilligt wissenschaftliches Netzwerk für Nachwuchswissenschaftler/innen

Ende letzten Jahres haben wir hier im Newsletter über die Mittelbau-Initiative zur Gründung eines wissenschaftlichen Netzwerks zum Thema "Praktische Theologie in der Spätmoderne" berichtet. Inzwischen bewilligte die Deutsche Forschungsgemeinschaft die hierfür nötigen Mittel. Damit bietet sich 15 jungen Pastoraltheologinnen und -theologen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und den Niederlanden über drei Jahre die Möglichkeit zur Vernetzung und zum wissenschaftlichen Austausch über diese Thematik. Antragsteller und Projektleiter sind Dr. Tobias Kläden (Münster), PD Dr. Stefan Gärtner (Münster/Tilburg) und Dr. Ulrich Feeser-Lichterfeld (Bonn). Die Arbeit startet im November mit einem ersten Workshop. [U. Feeser-Lichterfeld, Bonn]

Klaus-Hemmerle-Website

Klaus-Hemmerle-Website

Die Nutzung neuer Medien zur wissenschaftlichen Erschließung und Präsentation eines Lebenswerks bietet gerade in den Geisteswissenschaften ein großes Potenzial. Diese Erkenntnis steht im Zentrum des Forschungsprojekts zur multimedialen Erschließung des Lebenswerks Klaus Hemmerles (1929-1994) am Seminar für Pastoraltheologie der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität. Im persönlichen und wissenschaftlichen Nachlass Klaus Hemmerles, eines Theologen aus der religionsphilosophischen Schule Bernhard Weltes, des langjährigen Mitarbeiters des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und des späteren Bischofs von Aachen, spiegeln sich vielfältige Entwicklungen, Streitfragen und Positionsbestimmungen des deutschen Katholizismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder. Am Seminar für Pastoraltheologie wurde in Zusammenarbeit mit dem Klaus-Hemmerle-Werk e.V. und dem Bistum Aachen unter der Internetadresse www.klaus-hemmerle.de eine wissenschaftlich fundierte Website erstellt, die Text-, Ton- und Bildbeiträge aus dem Nachlass Hemmerles erschließt. Die Texte, die für Forschungs- und Bildungszwecke im PDF-Format heruntergeladen werden können, wurden für die Internetpublikation neu editiert und verfügen über Editorische Notizen, die die Veröffentlichungshistorie darlegen. Darüberhinaus können Vorträge im MP3-Format angehört und heruntergeladen werden. Die Dokumente, die die Website präsentiert, sind nicht nur als historische Zeugnisse von Bedeutung, sondern erschließen auch ein originelles theologisches Werk für die weitere Forschung und geben Impulse für die praktisch-theologische Reflexion gegenwärtiger kirchlicher Praxis. [R. Feiter, Münster]

Zeitschrift Lebendige Seelsorge: Postmoderne und Professionalität“(3/2009)

Zeitschrift Lebendige Seelsorge: Postmoderne und Professionalität“(3/2009)

Es ist modern geworden, von der Postmoderne zu sprechen. So omnipräsent die Rede von ihr ist, so unklar ist jedoch auch, was sie eigentlich meint. Grund genug, ihr auf den Grund zu gehen. Die aktuelle Ausgabe der „Lebendigen Seelsorge“nimmt die Phänomene in den Blick, die sich hinter diesem großen Wort verbergen und fragt nach den theologischen und praktischen Konsequenzen. Im thematischen Teil steht die postmoderne Theorie zur Debatte. Das Streitgespräch geht u.a. den Fragen nach, welche Denk- und Deutungsmuster die Postmoderne einführt und welche Stellung Theologie und Kirche im (post)modernen Gefüge einnehmen. Der zweite Teil des Heftes dreht sich um die „postmoderne Praxis“, konkretisiert im Blick verschiedener AusbildungsleiterInnen künftiger SeelsorgerInnen. Was sollen junge Menschen lernen, um angesichts der Relativierung des Subjekts, des Endes der großen Fragen und der Dauerreflexion von Sinn- und Wertvorgaben glaubwürdige MitarbeiterInnen der Kirche zu sein? Dabei geht es bewusst nicht um binnenkirchliche Herausforderungen und effizienzbasierte Reaktionsstrategien. Es geht um die Frage, wie Kirche gerade durch den pastoral-professionellen Nachwuchs sprachfähig bleiben kann.

Eine Inhaltsübersicht finden Sie im Internet unter www.lebendige-seelsorge.de [A. Schilling, Würzburg]

Aufhebung der Exkommunikation von Bischöfen der Pius-Bruderschaft

Aufhebung der Exkommunikation von Bischöfen der Pius-Bruderschaft

Bei ihrem regulären Arbeitstreffen am 10. Februar 2009 in Zürich haben sich die Mitglieder der „Arbeitsgemeinschaft Praktische Theologie Schweiz“über das weltweite Unverständnis und Entsetzen ausgetauscht, das die Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Pius-Bruderschaft ausgelöst hat –sowohl unter den Mitgliedern unserer Römisch-Katholischen Kirche als auch bei den anderen christlichen Kirchen, darüber hinaus vor allem bei unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern jüdischen Glaubens, nicht zuletzt auch in der breiten Öffentlichkeit der Schweiz. Dies veranlasste die Arbeitsgemeinschaft der in der Schweiz tätigen Praktischen Theologinnen und Theologen zu der unterhttp://www.unifr.ch/pastoral/de/pdf/ErklaerungAGPraktischeTheologieSchweiz.pdf abrufbaren Stellungnahme.

Der Vorstand der Konferenz deutschsprachiger Pastoraltheologen und Pastoraltheologinnen e.V. hat sich dieser Erklärung der in der Schweiz tätigen Kolleginnen und Kollegen ausdrücklich angeschlossen. Ebenso wie viele andere Mitglieder der Konferenz haben die Vorstandsmitglieder u.a. in Erklärungen der Fakultäten Stellung bezogen. Mit der Kollegin Demel und den Kollegen Porzelt und Schöttler aus der Praktischen Sektion, die der Bischof von Regensburg unter Androhung von Sanktionen zum Widerruf aufgefordert hat, steht der Vorsitzende direkt in Verbindung. Von weiteren Solidaritätserklärungen wurde seitens des Vorstandes unserer Konferenz, wie auch der ReligionspädagogInnen, auf Wunsch der Regensburger Abstand genommen. Das bevorstehende Beiratstreffen wird Gelegenheit bieten, die weiteren Entwicklungen in dieser Angelegenheit zu bewerten. [U. Schmälzle, Münster / M. Blasberg-Kuhnke, Osnabrück / M. Belok, Chur]

Antrittsvorlesungen an der Universität Münster

Antrittsvorlesungen an der Universität Münster

In diesem Jahr fanden an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster zwei Habilitationen statt, die von Prof. Dr. Udo Schmälzle betreut wurden: Stefan Gärtner (Zeit, Macht und Sprache. Pastoraltheologische Studien zu drei Grunddimensionen von Seelsorge) und Markus Tomberg (Religionsdidaktik als Theorie gläubigen Handelns. Überlegungen zur kommunikativen Bestimmung der Gottesrede im Religionsunterricht). 
Beide halten im kommenden Januar ihre Antrittsvorlesungen als Privatdozent an der Münsteraner Fakultät. Markus Tomberg wird am 9. Januar über "Advokatorisches Handeln. Eine didaktische Perspektive auf gläubige Praxis" sprechen, Stefan Gärtner am 23. Januar über "Praktische Theologie als Pastoraltheologie? Wissenschaftstheoretische Erwägungen zu einer (un-) zeitgemäßen Option". 
Die Antrittsvorlesungen finden jeweils um 12 Uhr ct im Hörsaal KThS I, Johannisstr. 8-10, 48143 Münster statt. [T. Kläden, Münster]

Friedenspreis für Franziskanerbischof

Friedenspreis für Franziskanerbischof

Die katholische Menschenrechts-und Friedensbewegung "Pax Christi International" hat ihren diesjährigen Friedenspreis dem brasilianischen Franziskanerbischof Luiz Flavio Cappio zuerkannt, der wegen seines konsequenten Kampfes gegen ein umstrittenes Flußumleitungsprojekt weltweit bekannt geworden ist. Die Entscheidung wurde in der Kirche sowie bei den Sozialbewegungen Brasiliens mit großer Freude aufgenommen. Wie Pax Christi International in Brüssel mitteilte, soll der Friedenspreis dem Bischof in Brasilien überreicht werden.

Vor wenigen Wochen hat ein ARD Film-Team die Arbeit der CPT und Dom Luiz Cappio in verschiedenen Städten entlang des Rio São Francisco (u.a. Bom Jesus da Lapa, Barra, Juazeiro) begleitet. Das Ergebnis ist ein halbstündiger Dokumentarfilm, der am So. den 31.08. im Ersten gesendet wird. Vgl.http://www.daserste.de/gottunddiewelt/beitrag_dyn~uid,smqvpc7qkt70aat8~cm.asp [U. Schmälzle, Münster].

Abschiedsvorlesungen von Prof. Udo Schmälzle und Prof. Leo Karrer

Abschiedsvorlesungen von Prof. Udo Schmälzle und Prof. Leo Karrer

Am 09. Mai 2008 hielt der Vorsitzende der Konferenz deutschsprachiger Pastoraltheologen und Pastoraltheologinnen e.V., Professor Dr. Udo Schmälzle, seine Abschiedsvorlesung an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, an der er von 1987 bis 2008 Professor für Pastoraltheologie und Religionspädagogik war. Udo Schmälzle hat im März 2008 das 65. Lebensjahr erreicht und ist zum Ende des Wintersemesters 2007/08 emeritiert worden.

Im voll besetzten Hörsaal F1 setzte er sich in seinem Vortrag zum Thema „Ich hasse Dich Gott, auch wenn es Dich nicht gibt!“ mit atheistischen Stimmen der Gegenwart und ihrer Herausforderung für die praktische Theologie auseinander. Zuvor wurde er geehrt in Grußworten der Rektorin der Universität und des Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, die ihm nicht zuletzt für sein vielfältiges universitäres Engagement als Senatvorsitzender und Vorsitzender von Rektor- und Kanzlerfindungskommissionen dankten. Die stellvertretende Konferenzvorsitzende, Prof. Dr. Martina Blasberg-Kuhnke, würdigte seine Verdienste als Vorsitzender der Konferenz der deutschsprachigen Pastoraltheologen und Pastoraltheologinnen e.V., der er seit 2001 ist. Nach der Abschiedsvorlesung wurde Udo Schmälzle die ihm gewidmete Festschrift "Kommunikation des Evangeliums" überreicht, die in der Reihe "Theologie und Praxis" im LIT-Verlag, Münster, erschienen ist. In dieser

vieldimensional angelegten Festschrift nehmen Schüler/innen, Kolleg/innen und Freunde Themen auf, die Udo Schmälzle ein Leben lang beschäftigt haben, und markieren damit auch eine Richtungsanzeige für die Pastoraltheologie im 21. Jh. [T. Kläden, Münster]

Prof. Leo Karrer hielt am 15. Mai 2008 vor etwa 250 Zuhörer/inne/n seine Abschiedsvorlesung mit dem Titel „Auch im Winter wächst das Brot. Die Kirche zwischen Vergangenheit und Zukunft“. Die Laudatio hielt Prof. Manfred Belok, Präsident der AG Praktische Theologie Schweiz und Professor für Pastoraltheologie der Theologischen Hochschule Chur. Grußworte übermittelten Prof. Guido Vergauwen, Rektor der Universität, Prof. Max Küchler, Dekan der theologischen Fakultät, Weihbischof Paul Vollmar (Diözese Chur) und Prof. Udo Schmälzle, Vorsitzender der Konferenz der deutschsprachigen Pastoraltheolog/inn/en. Bischof Bernard Genoud (Diözese Lausanne, Genf und Freiburg) ließ sich aus Termingründen entschuldigen.

Prof. Leo Karrer war von 1982-2008 ordentlicher Professor für Pastoraltheologie an der Universität Freiburg im Ü. Von 1996-1998 war er Dekan der theologischen Fakultät. Von 1993-2001 war er Vorsitzender der Konferenz der deutschsprachigen Pastoraltheologen und Pastoraltheologinnen und von 2001-2004 Präsident der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie.

Abschiedsvorlesung und Laudatio sind unter http://www.unifr.ch/pastoral/de verfügbar. [S. Hodek, Freiburg i.Ü.].

Wissenschaftspreise des Deutschen Caritasverbandes

Wissenschaftspreise des Deutschen Caritasverbandes

Der Deutsche Caritasverband vergibt alle zwei Jahre zwei Wissenschaftspreise. In diesem Jahr werden die Preise im Oktober 2008 verliehen. Die Eingabefrist endet am 30. April 2008.

Mit dem Lorenz-Werthmann-Preis werden Dissertationen und Habilitationsschriften sowie Arbeiten mit einem entsprechenden gleichen wissenschaftlichen Niveau ausgezeichnet, die sich mit der Arbeit und Aufgabenstellung der freien Wohlfahrtspflege, der Zusammenarbeit zwischen freier und öffentlicher Wohlfahrtspflege, neuen Ansätzen in der sozialen Arbeit sowie mit caritastheologischen und sozialethischen Themen befassen. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

Der Gertrud-Luckner-Preis des Deutschen Caritasverbandes ist zum Gedenken an Gertrud Luckner (1900 - 1995 ). Mit dem Preis würdigt der DCV die hohe Lebensleistung von Dr. Gertrud Luckner. Ausgezeichnet werden mit dem Gertrud-Luckner-Preis Abschlussarbeiten in Diplom-, Magister¬, Bachelor- und Masterstudiengängen an Universitäten und Fachhochschulen bzw. vergleichbare Arbeiten, die sich mit der Arbeit und Aufgabenstellung der freien Wohlfahrtspflege, der Zusammenarbeit zwischen freier und öffentlicher Wohlfahrtspflege, neuen Ansätzen in der Sozialen Arbeit sowie caritastheologischen und sozialethischen Themen befassen. Für den Gertrud-Luckner-Preis können Abschlussarbeiten von Dozenten/-innen bzw. Professoren/-innen an Universitäten und Fachhochschulen vorgeschlagen werden. Eigenbewerbungen sind nicht möglich. Wir bitten Sie ganz herzlich, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten sowie Dozenten/-innen sowie Professoren/-innen auf diesen Preis aufmerksam zu machen. Die Einreichung der Arbeiten muss durch die zuständigen Dozenten/in erfolgen. Der Preis ist mit 1000 € dotiert.

Genauere Informationen zu den Preisen finden sich auch unter www.caritas.de. [U. Kostka, Freiburg/Br.]

Stellenausschreibungen an der KTU Linz

Stellenausschreibungen an der KTU Linz

Mit Beginn des Wintersemesters 2009/2010 sind an der KTU Linz die Planstellen einer/eines UniversitätsprofessorIn für Pastoraltheologie und einer/eines UniversitätsprofessorIn für Fundamentaltheologie neu zu besetzen. Mehr Informationen zur Stellenausschreibung der KTU Linz finden Sie hier...

Stellenausschreibungen an der Ruhr-Uni

Stellenausschreibungen an der Ruhr-Uni

An der Katholisch-Theolgischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum ist u.a. die Juniorprofessur für Pastoraltheologie (W1) zu besetzen. Für nähere Informationen siehe hier [PDF, 33KB]...

Bewerbungsschluss ist der 15.2.08.

Predigtpreis für Professor Zerfaß

Predigtpreis für Professor Zerfaß

Für sein Lebenswerk wurde Professor Rolf Zerfaß (Würzburg) am 21. November 2007 mit dem ökumenischen „Predigtpreis“ des Verlags für die Deutsche Wirtschaft AG (Bonn) geehrt. Der 73-Jährige gilt als einer der profiliertesten Pastoraltheologen und Homiletiker der Gegenwart, der mit seiner Predigtlehre Kirchen übergreifend hohe Anerkennung genießt. Weitere Informationen: www.predigtpreis.de [H. Müller, Aachen].

Beiratstreffen und Mitgliederversammlung in Schwerte

Beiratstreffen und Mitgliederversammlung in Schwerte

Im Vorfeld des Kongresses traf sich der Beirat der Konferenz deutschsprachiger Pastoraltheologen und Pastoraltheologinnen e.V. in Schwerte. Auf der Tagesordnung stand neben Berichten des Vorsitzenden, Prof. Dr. Udo Schmälzle, und der Vertreterinnen und Vertreter aus den verschiedenen Ländern, Verbänden und Gremien insbesondere die Planung der kommenden Veranstaltungen. Für das kommende Jahr wurde ein Symposion zum Thema „Jugendpastoral“ ins Auge gefasst. Da das Meinungsbild bezüglich des nächsten Kongressthemas nicht eindeutig ausfiel, beschloss der Beirat, die bevorstehende Mitgliederversammlung in dieser Sache zu konsultieren.

Am Abend des 18.9.2007 fanden sich am Rande des Kongressprogramms knapp 60 Mitglieder der Konferenz deutschsprachiger Pastoraltheologen und Pastoraltheologinnen e.V. zu ihrer turnusgemäßen Mitgliederversammlung zusammen. Auch hier stand der Bericht des Vorsitzenden im Mittelpunkt, hinzu kam der Bericht der Kassenführung und der Kassenprüfer. Zu Vertretern im Beirat wählte die Mitgliederversammlung auf Vorschlag der jeweiligen Ländergruppen für Österreich Dr. Johannes Panhofer (Innsbruck) und für die Niederlande Prof. Dr. Jozef Wissink (Tilburg). Die 2005 gewählten Vertreter/innen des Mittelbaus (Dr. Thomas Böhm, Sylvia Hodek, Andrea Qualbrink) wurden für zwei weitere Jahre in ihrem Amt bestätigt. Die zwei vom Beirat vorgeschlagenen Themen „Christliche Praxis angesichts religionspluraler Gesellschaft“ und „Diakonie“ wurden dem Plenum zur Abstimmung gestellt, wobei die Mitgliederversammlung mehrheitlich für „Christliche Praxis angesichts religionspluraler Gesellschaft“ als Thema des nächsten Kongresses votierte. [T. Kläden, Münster/U. Feeser-Lichterfeld, Aachen].

Tagung der französischsprachigen Internationalen Gesellschaft für Praktische Theologie

Tagung der französischsprachigen Internationalen Gesellschaft für Praktische Theologie

Die französischsprachige Internationale Gesellschaft für Praktische Theologie, die "Société Internationale de Théologie Pratique" ( S.I.T.P.), wird ihren VI. Internationalen Kongress in diesem Jahr vom 4. bis 8. Mai 2007 in Versailles zum Thema: »Un ‘christianisme de conversion’ - vers de nouvelles figures d'Église?» durchführen (vgl. Société Internationale de Théologie Pratique).

Dr. Hadwig Müller (Aachen) umreißt das Programm dieser Tagung, deren Titel auf deutsch vielleicht lauten könnte: "Konversionschristentum - zeichnen sich neue Gestalten von Kirche ab?", folgendermaßen: Religionssoziologische Forschungen wie die von Danièle Hervieu-Léger ("Der Pilger und der Konvertit") erlauben, viele Veränderungen, die den christlichen Glauben berühren, auf die Formel vom Konversionschristentum zu bringen und zu fragen, ob und welche neue Figuren von Kirche-sein sich hier ankündigen.

Im Plenum der Tagung soll mit Vorträgen aus der Perspektive der Soziologie, Ekklesiologie und Spiritualität ein Bild vom Ganzen der Analysen und Reflexionen gezeichnet werden. In sieben Ateliers / workshops sollen gezielter bestimmte Aspekte eines Konversionschristentums zusammen mit den Folgen fürs Kirche-sein vertieft werden, insbesondere durch Vorstellen entsprechender Forschungsprojekte:

  • Neue Formen des Predigens
  • Initiativen im liturgischen Bereich
  • Untersuchungen rund um die kommunitäre Dimension des Glaubens
  • Große Versammlungen und Events
  • Aufnahme neuer Menschen in den Kirchen: Initiation und oder Konversion?
  • Neue Formen von Erwartungen und Vorschlägen in spiritueller Hinsicht
  • Neue Akzente für die Konversion der Kirchen

Für jedes Atelier wird auf einer Seite die Problematik, um die es gehen soll, vorgestellt und den Teilnehmenden vorher mitgeteilt. Diese schreiben sich bis zum 7. April in eines der Ateliers für die Dauer der Tagung ein. Sie sollen zum Thema des Ateliers mit der Vorstellung eigener Arbeiten beitragen.

Ort des Kongresses: Versailles, Centre Huit (8, rue de la Porte de Buc - 78000 Versailles)

Der Tagungsbeitrag für Mitglieder der Gesellschaft ist 160 €, für Nichtmitglieder 240 €, und für Studierende 80 €. Unterkunft mit Frühstück kostet 30 €

Anmeldung bis zum 7. April 2007 mit dem im Programm vorgesehenen Formular.

„Charismen teilen in überschaubaren Räumen“ – Diskussionsbeitrag von Udo Fr. Schmälzle

„Charismen teilen in überschaubaren Räumen“ – Diskussionsbeitrag von Udo Fr. Schmälzle

Unter der Überschrift „Charismen teilen in überschaubaren Räumen - Woran orientieren sich die diözesanen Umstrukturierungsmaßnahmen?“ plädiert Prof Dr. Udo Fr. Schmälzle, Vorsitzender der Konferenz deutschsprachiger Pastoraltheologen und Pastoraltheologinnen e.V., in einem Beitrag für die April-Ausgabe der "Herder Korrespondenz" für eine Rückgewinnung der theologischen Dignität christlicher Gemeinden und der in ihnen versammelten Charismen - und gibt damit nicht zuletzt den Diskussionen des bevorstehenden Kongresses "Plurale Wirklichkeit Gemeinde" einen engagierten Impuls. Besondere Aktualität erfährt dieser Aufsatz zusätzlich durch den Umstand, dass die Deutsche Bischofskonferenz auf ihrer Frühjahrs-Vollversammlung einen Studientag zum Thema „Mehr als Strukturen … Entwicklungen und Perspektiven der pastoralen Neuordnung in den Diözesen“ abgehalten hat.

Mit freundlicher Genehmigung der „Herder Korrespondenz“ ist der Beitrag hier abrufbar: Charismen teilen in überschaubaren Räumen.pdf [U.F.-L.]

Neue Forschungsprojekte des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts (SPI)

Neue Forschungsprojekte des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts (SPI)

Das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) startet zur Zeit mit zwei durch den Schweizerischen Nationalfond geförderten Drittmittelprojekten:

Im Mittelpunkt des Projektes „Religion in der Moderne“ steht die Untersuchung der individuellen Religiosität in der Schweiz mittels einer quantitativen und qualitativen Untersuchung. Eine der Schlüsselfragen der modernen Religionssoziologie betrifft die Konstruktionsformen individueller Religiosität, das heißt die Bedingungen für ihr Entstehen im Umfeld moderner Gesellschaften. Die aktuelle Studie schließt an zwei Repräsentativbefragungen zur Religiosität der Schweizer Wohnbevölkerung an und vermag so, den sozialen Wandel in der Schweiz über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahre zu berücksichtigen. Dazu dient eine erneute Repräsentativbefragung ebenso wie eine Anzahl von Tiefeninterviews zur Bedeutung von Religion bei der Konstruktion individueller Identität. Insbesondere durch die Kombination der beiden Methoden sollen neue Einblicke in die individuelle Religiosität möglich werden.

Das zweite Forschungsprojekt untersucht die Beteiligung und Rolle der Religionsgemeinschaften in der Öffentlichkeit am Beispiel der direktdemokratischen Abstimmungen in der Schweiz. Die meisten Religionsgemeinschaften haben aufgrund ihres Selbstverständnisses den Anspruch, in der Öffentlichkeit präsent zu sein und die Gesellschaft mitzugestalten. Für die Schweiz gilt dies vor allem für die großen christlichen Landeskirchen. Angesichts der gesellschaftlichen und religiösen Pluralisierung treten sie heute als ein Akteur unter vielen auf. Immer mehr setzt sich dabei die Einsicht durch, dass der öffentliche Ort der Religionsgemeinschaften in der Zivilgesellschaft liegt. Eine besonders lebendige Form eines zivilgesellschaftlichen Diskurses stellt in der Schweiz die direkte Demokratie dar. Empirische Untersuchungen zur Partizipation der Religionsgemeinschaften an den öffentlichen Debatten fehlen bisher jedoch weitgehend. – Wie bringen Religionsgemeinschaften ihre Überzeugungen in die gesellschaftlichen und politischen Diskussionen ein? Welchen Beitrag leisten sie damit zu öffentlichen Debatten? Das sind die zentralen Fragen der Studie. Sie befasst sich zudem mit den Wirkungen, welche die Religionsgemeinschaften mit ihrem Engagement erzielen und welche Rückwirkungen dies auf ihr eigenes Selbstverständnis hat. Der Untersuchungszeitraum von 30 Jahren soll es ermöglichen, Veränderungen in den Argumentationsinhalten und im Argumentationsstil festzustellen.

Weitere Informationen sind unter www.spi-stgallen.ch zu finden [J. Könemann, St. Gallen].

Glückwünsche für Leo Karrer zum 70. Geburtstag

Glückwünsche für Leo Karrer zum 70. Geburtstag

Am 10. April feierte Professor Dr. Leo Karrer (Universität Freiburg/Schweiz) seinen 70. Geburtstag, zu dem ihm die Konferenz der deutschsprachigen Pastoraltheologen und Pastoraltheologinnen e.V. herzlich gratuliert. Im beeindruckenden Lebenswerk von Leo Karrer fällt auf, wie sehr er sich für eine Professionalisierung von Laientheologinnen und -theologen sowie für den Aufbau entsprechender Arbeitsfelder einsetzt. Hier hat er entscheidende Impulse gegeben. Bereits seit Jahrzehnten prägt Leo Karrer die Pastoraltheologie in der Schweiz, im gesamten deutschsprachigen Raum und weit darüber hinaus. Als langjähriger Vorsitzender der Konferenz der deutschsprachigen Pastoraltheologen und Pastoraltheologinnen e.V. und Mitglied des Beirats hat er immer wieder zentrale und nicht selten kontroverse Themen auf Kongressen und Arbeitstagungen aufgegriffen und auf diese Weise das Profil unserer Fachschaft geschärft. [Udo Fr. Schmälzle/Münster]

Gedenken an den 100. Geburtstag von Ferdinand Klostermann

Gedenken an den 100. Geburtstag von Ferdinand Klostermann

Am 21. März 2007 jährte sich der Geburtstag von Ferdinand Klostermann, Professor für Pastoraltheologie in Linz und Wien und einer der Gründungsväter der Konferenz deutschsprachiger Pastoraltheologen und Pastoraltheologinnen e.V., zum 100. Mal. Aus diesem Anlass ruft Prof. Wilhelm Zauner/Linz diese herausragende, 1982 verstorbene Persönlichkeit in Erinnerung:

Von den im Lande geborenen österreichischen Theologen ist nur einer nach dem Zweiten Weltkrieg in der ganzen katholischen Welt bekannt geworden: Ferdinand Klostermann, Pastoraltheologe in Wien und Konzilsberater (1907-1982). Das ist unter anderem wohl darauf zurückzuführen, dass sich mit seinem Namen die Leitidee für die Seelsorge nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil verbindet: Die christliche Gemeinde. Priester und Laien, das sind die beiden Brennpunkte der Ellipse Gemeinde, um die das theologische Denken Klostermanns kreiste. Er kannte die ungeheuren Reserven, die für die Kirche erschlossen werden können, wenn den Laien ihre Würde und ihr Auftrag aus Taufe und Firmung bewusst gemacht werden. Er wusste jedoch, dass eine Wiedererweckung des Laien in der Kirche auch eine neue Beschäftigung mit dem Priester verlangt. Seine Literaturliste umfasst 212 Titel, darunter einige theologische Standardwerke mit weit über fünfhundert Seiten.

Klostermann war ein unbequemer Denker, ein unbestechlicher und kritischer Geist. Das Thema, das ihn immer interessierte, war die Kirche. Bei aller Aufgeschlossenheit für Kunst und Kultur, für die Politik und das Weltgeschehen pendelte sich das Gespräch mit ihm doch immer wieder auf dieses Thema ein. Er konnte in einen furchtbaren Zorn geraten, wenn seiner Meinung nach in der Kirche etwas schief ging. „Soeben hat mich der sechste Bischof nach seiner Ernennung um ehrliche Kritik gebeten. Bei den anderen fünf habe ich es je einmal versucht. Sie haben sich nie mehr an mich gewandt“, hat er einmal gesagt.

Mit den Päpsten kam er nie ganz zurecht, am ehesten noch mit Johannes XXIII. Es war für viele schwer zu verstehen, dass die oft harte und auch subjektive Kritik Klostermanns aus einer tiefen Sorge um die Ausrichtung der Kirche am Evangelium kam. Viele waren nicht bereit, seinen Zorn als Charisma anzuerkennen, seine Leidenschaft als Liebe, seine Kritik als Interesse an der Sache. Manche zogen sich von ihm zurück. Er wollte jedoch niemals eine Freundschaft um den Preis des Schweigens über Zustände, die ihm unrecht erschienen, aufrechterhalten.

Sein Herz und seinen tiefen Glauben zeigte Klostermann vor allem in seinen Briefen aus dem Gefängnis. Dorthin hatte ihn im Jahre 1942 die Geheime Staatspolizei auf achteinhalb Monate gebracht. Ein Grund dafür wurde ihm nicht genannt; sein Einfluss auf die Jugend war den Behörden einfach lästig geworden. Er durfte nur seiner Mutter schreiben. Doch diese Briefe wurden mit der Schreibmaschine abgeschrieben und in vielen Durchschlägen unter der Hand verbreitet. Daraus einige Sätze:

„Es gibt für jeden Menschen nur eine einzige Gelegenheit, sich zu bewähren – und das ist das Leben, so wie es an uns herantritt und wie wir darein geworfen werden, nicht so, wie wir es uns vielleicht in idyllischen Nächten erträumt haben. Wir müssen Gottes Erziehungsweisheit in dem sehen, was wir erleben. Ich kann aus diesem Erleben heraus jetzt noch froher als vorher sagen: ‚Ich weiß, wem ich geglaubt habe.’ – Das Geschehen, in dem wir stehen, ist voll Sinn, so schwer es dem einzelnen mitunter sein mag, den Sinnzusammenhängen nachzuspüren. Aber die Brunnen der Tiefe rauschen, auch wenn wir sie nicht hören, und die besten und ergiebigsten von ihnen hört man deshalb nicht, gerade weil sie so tief sind.“

Im Jahre 1970 musste sich Klostermann einer Operation unterziehen, bei der er kaum eine Überlebenschance hatte. Er erzählte später einem Freund: „Ich habe gedacht, dass ich jetzt sterben muss. Ich habe gefühlt, dass ich sinke, tiefer und tiefer. Ich habe an nichts gedacht; nichts aus dem Evangelium oder aus der Theologie ist mir eingefallen, kein Gedanke an Gott und Christus, an ein Gebet oder Sakrament. Ich habe nur gefühlt, dass ich falle – aber nicht ins Bodenlose. Ich war mir ganz sicher: Wenn ich unten bin, werde ich gehalten, bin ich geborgen. – Wenn alle Theologie, die ich studiert und selbst getrieben habe, wenn alle Sakramente, die ich gefeiert, und die ganze Botschaft des Evangeliums, die ich geglaubt habe, dieses eine bewirkt haben, dann hat es sich gelohnt.“ [aus: Rudolf Englert (Hg.), Woran sie glaubten – wofür sie lebten, München 2006, 364]

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